Tierarztpraxis Dr. med. vet. Sybil Lüthi: Neukirch - Egnach TG
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Entwurmungsschema für Pferde

Bestandes Management – Strategiewechsel

 

Hintergrund

In den letzten Jahrzehnten hat sich die Parasitenbelastung des Pferdebestandes im westlichen Raum Europas verändert. Sowohl die Bandwürmer wie auch die grossen Strongyliden kommen nur selten vor. Eier von kleinen Strongyliden werden jedoch immer wieder in Kotproben gefunden, allerdings auch da meist nur in geringen, nicht krankmachenden Mengen. In vielen Kotproben der Pferde, welche für eine erneute Behandlung vorgesehen wären, findet man bei der quantitativen Kotuntersuchung (McMaster-Methode) keine oder nur sehr wenige Wurmeier, wodurch eine erneute Behandlung meist unnötig ist.

Durch die häufige Entwurmung haben die Parasiten (vor allem die kleinen Strongyliden) Resistenzen gegen die Wurmmittel entwickelt. Was dazu führt, dass nur noch wenige Präparate wirksam sind. Um Wirkung dieser Präparate möglichst lange zu erhalten und den Pferden einen optimalen Schutz gegen parasitenbedingte Erkrankungen zu bieten wird von den Universitäten Bern und Zürich eine neue Entwurmungsstrategie empfohlen.

Neue Entwurmungsstrategie

Ziele der Parasitenkontrolle sind die Gesunderhaltung der Pferde und die Reduktion des Infektionsdruckes auf den Weideflächen. Der zur Erlangung dieser Ziele erforderliche Behandlungsaufwand sollte so gering wie möglich gehalten werden, um eine längere „Überlebensdauer“ der noch wirksamen Entwurmungsmittel zu ermöglichen. D.h. so gezielt wie möglich und dadurch auch so wenig wie möglich zu entwurmen.

Das oberste Gebot ist die Weidehygiene. Mindestens einmal wöchentliches Abäpfeln der Weiden und Trockenplätze hilft die Parasitenbelastung massiv zu reduzieren.

Bestände, welche die neue Entwurmungsstrategie einführen möchten sollten wie folgt vorgehen:

Beginn der Weidesaison April/Mai

Bestandes Analyse - Analyse der aktuellen Wurmarten im Bestand und Bestimmung der Anzahl Wurmeier im Kot jedes einzelnen Pferdes

Mittels quantitativer McMaster-Methode wird die Anzahl Wurmeier (meist Strongylideneier) pro Gramm Kot bestimmt. Übersteigt diese die Anzahl von 200 Eiern/gr. Kot muss das betroffene Pferd entwurmt werden. Zudem werden wenn nötig mittels Larvenkultur die grossen und kleinen Strongyliden differenziert, welche man anhand ihrer Eier nicht unterscheiden kann.

Unabhängig von der Höhe der Ausscheidung wird eine Behandlungsempfehlung ausgesprochen beim Nachweis von Spulwürmern, Bandwürmern,  sowie grosser Strongyliden (auf Basis der Larvenkultur).

Es können alle auf die gefunden Wurmarten noch wirksamen Präparate verwendet

werden.

Juli, September und November

Weitere quantitative Kotuntersuchungen

1. Jahr

Im Juli, September und November jeweils erneute quantitative Kotanalysen (Bestimmung der Anzahl Wurmeier im Kot jedes einzelnen Pferdes.

2. Jahr

Bei konstant niedrigem Infektionsdruck und konstanter Stallbesetzung können im 2. Jahr nur noch 2 Kotuntersuchungen in den Monaten Mai und August durchgeführt werden.
Dezember (nach dem ersten Bodenfrost)

Auch wenn die Ergebnisse der Kotanalysen und der klinische Zustand während der Weidesaison keinen Anlass zur Entwurmung gegeben haben, sollte als Sicherheitsmassnahme vor dem Winter (nach dem ersten Bodenfrost) ein Kombipräparat (Moxidectin / Praziquantel), welches gegen alle Wurmarten und auch gegen die enzystierten Larvalstadien der Strongyliden wirksam ist, an alle Pferde im Bestand verabreicht werden.

Neue Pferde im Bestand

Von neuen Pferden muss vor dem Einstallen bzw. dem ersten Weidegang eine Kotprobe untersucht werden.

Jungpferde (bis zur 4. Weidesaison)

Jungpferde innerhalb der ersten vier Weideperioden sollten noch nicht in den selektiven Behandlungsansatz einbezogen werden, da das Erkrankungsrisiko in dieser Altersgruppe erhöht ist und diese Tiere besonders stark zur Weidekontamination beitragen. Jungtiere sollten bis zur 4. Weidesaison weiterhin 4x jährlich entwurmt werden.

Ideal wäre es, die Entwurmungsintervalle nach der sogenannten egg reappearance period (ERP) zu richten. Dies ist die Zeit, nach welcher erneut über 200 Eier/gr. Kot gezählt werden können. Sie ist je nach Entwurmungsmittel und Infektionsdruck unterschiedlich und kann durch den Tierarzt ermittelt werden.

Schema zur Einführung der selektiven Entwurmungsstrategie

1. Jahr

Zeitpunkt

Untersuchungsmethode

Behandlung je nach Ergebnis

Mai/April

Ziel: Bestandes Analyse zur Bestimmung der Wurmarten und der Anzahl der Wurmeier pro Gramm Kot

Probenmaterial: Einzelkotprobe von jedem Pferd

Methode: Quantitative McMaster, Larvenkultur

Bei weniger als 200 Wurmeiern pro Gramm Kot ist keine Entwurmung notwendig Bei mehr als 200 Wurmeiern pro Gramm Kot oder bei Auffinden von anderen Eiern als kleinen Strongylideneiern Entwurmung mit einem noch wirksamen Präparat

Juli, September und November (3x Kotanalyse)

Ziel: Bestimmung des Verwurmungs-grades (Anzahl Wurmeier pro Gramm Kot) Probenmaterial Einzelkotprobe von jedem Pferd

Methode: Quantitative McMaster

Bei weniger als 200 Wurmeiern pro Gramm Kot ist keine Entwurmung notwendig Bei mehr als 200 Wurmeiern pro Gramm Kot oder bei Auffinden von anderen Eiern als Strongylideneiern Entwurmung mit einem noch wirksamen Präparat

Dezember (nach dem ersten Bodenfrost)

Keine Untersuchung notwendig

Entwurmung aller Pferde mit einem Kombipräparat

Ab 2. Jahr

Zeitpunkt

Untersuchungsmethode

Behandlung je nach Ergebnis

Mai und Juli

(2x Kotanalyse)

Ziel:

Bestimmung des Verwurmungsgrades (Anzahl Wurmeier pro Gramm Kot) Probenmaterial:

Einzelkotprobe von jedem Pferd

Methode: Quantitative McMaster,

Bei weniger als 200 Eiern pro Gramm Kot ist keine Entwurmung notwendig Bei mehr als 200 Eiern pro Gramm Kot Entwurmung mit einem noch wirksamen Präparat

Dezember (nach dem ersten Bodenfrost)

Keine Untersuchung notwendig

Entwurmung aller Pferde mit einem Kombipräparat

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